Urologische Nachrichten

Operation ist der Strahlentherapie beim Prostatakrebs überlegen

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Seit Jahren wird die richtige und beste Therapie des lokal beschränkten nicht metastasiertem Prostatacarcinom sehr emotional geführt. Die Argumentation glichen eher der Diskusion über eine Philosophie als um die Auflistung von Fakten. Es ist jedoch eine Tatsache, dass es bisher weltweit keine einzige Studie gibt, die eine radikale Prostatektomie mit der Strahlentherapie verglichen hat.

In diesem Rahmen ist jetzt eine Veröffentlichung im „British Medical Journal“(BMJ 2014; 348: g1502) sehr bemerkenswert. Es wird die Auswertung dieser laufenden schwedischen Beobachtunsstudiezum Thema Prostatacarcinom präsentiert.

Bei fast 35000 Männern mit einem nicht metastasiertem Prostatacarcinom wurde untersucht, wieviele Patienten bei den unterschiedlichen Therapien (radikale Prostatektomie oder Strahlenbehandlung) bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 5,37 Jahren noch am Leben sind. Hierbei wurde auch unterschieden, ob die Patienten an dem Prostatakrebs oder ob sie an anderen Erkrankungen gestorben sind.

In dem skandinavischen Land sind in den Jahren 1996 bis 2010 34.515 Männer wegen eines Prostatakarzinoms behandelt worden: 21. 533 entschieden sich für eine radikale Prostatektomie, 12.982 ließen eine Radiotherapie durchführen.

Die Wahl, welche Therapie durchgeführt werden sollte wurde nicht randomisiert sondern wurde von den Männern selber entschieden.
Mehr Männer mit einem lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinomen entschieden sich für die Strahlenbehandlung. Auch war der PSA-Wert zu Beginn der Behandlung höher als in der operativen Gruppe. Dies kann die vermehrten Todesfälle in der Radiotherapiegruppe erklären. Ferner waren die Männer in der Bestrahlungsgruppe älter und hatten mehr Begleiterkrankungen. Ferner spielen Faktoren wie geringe Bildung, ein niedrigerer sozioökonomischer Status und ein höherer Anteil von nicht Verheirateten, eine Rolle die sich jedoch nur schwer abschätzen lassen.

Schließlich starben bisher (nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 5,37 Jahren) nach der Operation erst 339 Patienten (1,57%) am Prostatakarzinom und 1.064 an anderen Ursachen.

Nach der Strahlentherapie waren es im gleichen Zeitraum 697 (5,38%) und 1.127 Patienten an anderen Ursachen, also deutlich mehr, wenn man bedenkt, dass fast doppelt so viele Patienten sich für die Operation entschieden hatten.

In dieser retrospektiven Untersuchung sind 3mal mehr Männer in der Gruppe der Strahlentherapie am Prostatakrebs verstorben als in der Gruppe der operierten Patienten.